Die GESCHICHTEN

dreier Frauen


Kleines Nachttheater

Paola, Edith, Carmen und Friedhelm beschlossen einmal frühzeitig schlafen zu gehen. Sie mussten Morgen zur Wellensittichzuchtpreisverleihung und wollten deshalb Frisch und Ausgeruht sein. Und nachdem alle Arbeit und Besorgungen getätigt waren, gingen sie gegen 20.30 Uhr zu Bett. Sie wussten, dass sie wegen der Sommerhitze nicht voll zur Ruhe kommen würden, weswegen sie Vorsichtsmaßnahme trafen.

Friedhelm hörte sich oben in seinem Dachzimmer entspannende Musik aus seinem Transistorradio an. Paola, Edith und Carmen wussten davon und taten dasselbe. Sie Unterhielten sich.

Um 21.00 Uhr war dann Stille im Landhaus. Auch in der Nacht war es noch sehr warm und man schwitzte aus allen Poren. Im großen Korridor an der Wand tickte eine Wanduhr. Jedes mal um die Volle Stunde schlug sie die Zeit. Dann hörte man sie im ganzen Haus, vom Keller bis unter das Dach. Die Vier hatten sie erst vor kurzem gekauft und sich noch nicht ganz daran gewöhnt.

Das Gebimmel macht mich noch ganz rammdösig,“ stöhnte Paola und schnitt eine Grimasse nach der anderen. „Mach dir nichts draus. In voller Aktion ist sie ja erst um Mitternacht. Und bis dahin schlafen wir sicher schon,“ meinte Carmen. „Einfach nicht Hinhören,“ fand auch Edith.

Die Drei versuchten die Uhr zu ignorieren und drehten sich von einer Seite auf die andere. Erst kurz vor 22.00 Uhr waren sie im Land der Träume. Den Zehnerschlag bekamen sie schon gar nicht mehr mit. Auch bei Friedhelm rührte sich nichts mehr.

 

Was keiner von ihnen wusste, war eine Störung von ganz anderer Art und Beschaffenheit. Diese machte sich gegen 23.35 Uhr bemerkbar und riss die Vier mit einem lauten Gepolter aus dem kurzen Schlaf.

Huch, was war denn das?“ riefen Paola, Edith und Carmen gleichzeitig und saßen vor Entsetzen steil Aufrecht in ihren Betten. Da polterte es abermals.

Das kommt aus der Speisekammer. Sollte Friedhelm wieder einmal Klemmzüge unternehmen?“ fragte Paola und legte den Kopf schief. Doch da rammte Friedhelm auch schon die Schlafzimmertür auf. „Ist etwas mit euch passiert? Sind hier Einbrecher?“ jabzte er, weil er sich so beeilt hatte herunter zu kommen.

Schon wieder dieses Poltern. Diesmal in der Küche und auf der Kellertreppe. „Tatsächlich. Das müssen wirklich Einbrecher sein. Aber sicher Zweckentfremdete,“ meinte Carmen. Die anderen Drei guckten sie verdutzt an. „Wieso Zweckentfremdet?“ wollten sie wissen.

Ja, seht mal. Was wollen Einbrecher im Keller und in der Speisekammer oder Küche?“ sagte sie zurück.

 

Gemeinsam machten sie sich auf und schlichen zum „Tatort“. Jeder von ihnen hatte sich eine „Waffe“ besorgt, mit der sie nun auf „Kriegspfad“ gingen.

Auf dem Korridor kam ihnen ein Schimpanse entgegen. Als er die Vier mit grimmigen Gesichtern sah, rannte er kreischend davon und versteckte sich.

 

Ein Affe?“ riefen sie Ungläubig und ließen ihre „Waffen“ fallen und rieben sich die Augen. „Ein Affe?“ wiederholten sie. „Wie um alles in der Welt kommt hier ein Affe her!“

Diese Frage, die sich die Vier nicht Beantworten konnten, hatte eine einfache Lösung.

 

Auf einem etwa Sechs Kilometer entfernten Gelände, nahe der Stadt, wo die Vier immer Einkaufen gingen, gastierte seit zwei Tagen ein Zirkus.

In der Vorigen Nacht, als ein großes Gewitter tobte, schlug ein Blitz in einen Benachbarten Baum. Dabei brachen aus Angst fünf Affen, ein Elefant und zwei 'Löwen aus.

Drei dieser Affen hatten sich in Richtung Landhaus verirrt. Die zwei anderen hatten eine andere Richtung eingeschlagen. Auch die Löwen hatten sich getrennt. Wo sie sich jetzt befanden, war nicht abzusehen.

Der Elefant war den drei Affen gefolgt.

 

Nun auf dem Korridor standen Paola, Edith, Carmen und auch Friedhelm und staunten Bauklötze.

Im Keller polterte es wieder laut. Dieses Geräusch entließ die Vier aus ihrer „Staun – Starre“. Sie liefen der Kellertür entgegen. Auf der Treppe nach unten und halbwegs zur Hälfte, kam Friedhelm ins Rutschen. Er hatte keine Hausschuhe an den Füßen. Die hatte er in der Eile vergessen.

Er rutschte die Zehn Stufen auf dem Hinterteil hinunter und schrie: „Iiiiihhh, Baaahhh.“ Paola, die ihm direkt auf den Fersen gefolgt war und ihn nicht mehr festhalten konnte, rief: „Junge, hast du dir etwas Gebrochen?“ „Nein, das nicht,“ antwortete er und schnaufte vor sich hin. „Bleib oben stehen, und komm nicht herunter. Sonst fängst du auch an zu stinken.“ „Was ist denn da unten los?“ rief Edith an Paola vorbei. „Hier liegt auf der Treppe Affenschisse,“ wurde Friedhelm deutlicher.

Er hatte sich erhoben und kam wieder herauf. Als er oben an der Kellertür vor den Dreien stand, hielten sie sich die Nase zu und zeigten auf ihn.

 

Er hatte, weil er die Stufen hinabgerutscht war, seinen Pyjama am Rücken und Abwärts bis zu den Füßen voller Affenkot. Und der Penetrante Gestank entfaltete sich nun auf dem Korridor.

Macht ihr mal weiter und sucht nach diesen Affen. Ich gehe baden,“ sagte er und ging ins Badezimmer.

Plötzlich trompetete es vor der Haustür. Die Drei gingen zum Fenster, das sich neben der Haustür befand und sahen hinaus.

In einem großen Blumenbeet stand ein Drei Meter großer Elefant, der mit dem Rüssel hin und her schwenkte.

Paola, Edith und Carmen liefen zurück zur Kellertür und schlossen sie schnell, da sie vergessen hatten, diese zu schließen und drehten gleichzeitig den Schlüssel um. Dann liefen sie zum Telefon und einer rief die Polizei an.

Diese wollten es erst gar nicht glauben. Doch versprachen vorbei zu kommen. In der Speisekammer rumorte es immer noch. Edith ging hin und machte vorsichtig die Tür auf. Sie sah zwei weitere Affen, die auf einem Bord saßen und ein Glas Pflaumenmus naschten.

 

Kommt, kommt,“ lockte sie die Schimpansen. „Kommt schön her. Hier draußen gibt es ein viel feineres Leckerli.“

Im Korridor stand auf einer kleinen Kommode eine Obstschale. Leider zu weit entfernt, so dass sie sie nicht erreichen konnte. „Carmen, komm doch mal und bring mir die Obstschale. Wir haben hier in der Speisekammer ein paar Naschkatzen.“ „Oh, ja, natürlich, moment,“ erwiderte Carmen. Ging zur Kommode und nahm die Schale an sich. Sie brachte sie zur Speisekammer.

 

Die beiden Affen wurden im Zirkus wohl mit Bananen dressiert. Jedenfalls ließen sie das Pflaumenmusglas fallen und kletterten vom Bord herab und kamen heraus.

Carmen nahm aus der Schale die Äpfel und Birnen heraus, so das nur noch die Bananen übrig blieben, und ging rückwärts damit lockend zur Kellertür. Sie schloss auf und zeigte den Affen die Bananen. Legte sie auf die zweite Kellertreppenstufe und wartete, bis die Affen in den Keller gingen. Dann schloss sie schnell wieder die Tür.

Einer von ihnen muss noch irgendwo sein. Unten ist er jedenfalls nicht,“ meinte Carmen. Paola kam unterdessen den Korridor entlang und hatte den dritten Schimpansen an der Hand zu fassen. Sie führte ihn auf Edith und Carmen zu.

 

Zu Dritt versuchten sie schließlich, den Affen zu seinen Artgenossen zu lassen. Als sie die Tür öffnen wollten, klammerte sich der Affe an Paolas Bein.

Nun lass los, lass los,“ sprach sie auf den Affen ein. Doch dieser wollte nicht. So ging sie kurzentschlossen mit in den Keller.

Pass aber auf, Paola, wegen der Schiete,“ sagte Edith.

Ja, ich weiß. Haben wir noch Bananen?“ „Ja, aber nur noch zwei.“ „Na gut, gib her.“ Paola nahm sie und humpelte, den Affen am Bein, die Kellertreppe hinunter. Dort unten schwoll ein urplötzliches Kreischen an und Poltern.

Edith und Carmen erschraken zutiefst, weil sie glaubten, es sei Paola gewesen. Denn die Kellerwände verzerrten jeden Laut.

Doch als Paola die Tür aufstieß und aus dem Keller trat, atmeten sie erleichtert auf. „Was war denn los,“ wollten die Zwei von ihr wissen.

Eigentlich nicht viel. Nur das die anderen beiden mir entgegen sprangen und gleich darauf wieder nach unten und mit den Obstkartons gegen die Kohlentür schmetterten. Da habe ich den Affen vom Bein gerissen und bin schnell wieder nach oben. Wie spät ist es jetzt eigentlich??“ „Genau 1.30 Uhr,“ erwiderte Carmen, die auf die Wanduhr sah.

Hey, Friedhelm, bist du im Badezimmer eingeschlafen? Du bist da jetzt über eine Eineinhalb Stunde.“ „Ich komme gleich,“ hörten sie ihn rufen.

 

Angefangen hatte der ganze Tumult gegen 23.35 Uhr. Kein Polizist ließ sich sehen. „Hier bin ich,“ sagte Friedhelm, der jetzt ein Badelaken trug.

Zieh dir am besten etwas über. Wir müssen uns noch um den Elefanten draußen kümmern,“ sagte Paola zu ihrem Sohn.

Was denn für einen Elefant?“ fragte Friedhelm.

Der draußen vor dem Haus in Blumenbeet steht oder vielmehr stand. Er ist gerade auf dem Weg zum Stall,“ sagte Carmen und wies aus dem Korridorfenster.

 

Paola ging erneut zum Telefon und wählte dann die Nummer der Polizei. Sie schimpfte am Apparat wie ein Rohrspatz und schaffte es dann doch noch, dass die Polizei vorbei kam.

Trotz alledem ließ sie sich Zeit. Es musste erst 2.15 Uhr werden, bevor sie Eintraf. In der Zwischenzeit hatten sich alle Vier etwas Übergezogen.

Als es an der Haustür klingelte, öffnete Edith.

Na, wo sind denn nun die Affen und der Elefant?“ spottete der eine Beamte. „Kommen Sie mit in den Keller,“ rief Paola, und führte ihn in Richtung Kellertür und wies mit dem Finger nach unten in die Tiefe, als sie aufgeschlossen hatte.

Am Geruch konnte der Beamte erkennen, das dort unten etwas war. Der andere Beamte wurde von Friedhelm um das Haus geführt zum Stall.

 

Als die Polizisten bemerkt hatten, das kein Scherz vorlag, gaben sie über Funk zum Revier weiter, was sie Vorgefunden hatten.

Nachdem sie sich Vergewissert hatten, das die Vier nicht wussten woher die Tiere stammten, gaben sie eine Suchmeldung durch.

 

Dann gegen 5.00 Uhr meldete sich ein Zirkusdirektor, der die Tiere vermisst hatte und nicht gefunden. Nebenbei wurde Bemerkt, das auch zwei Löwen verschwunden waren.

Doch die wurden später Drei Kilometer weiter in einem Wald gefunden, die ein Jäger zufällig mit seinem Feldglas sichtete. Dieser war sichtlich Erschrocken gewesen, wie man erfuhr.

 

Um 5.45 Uhr wurden dann der Elefant und die drei Schimpansen abtransportiert. Die übrigen zwei anderen Affen blieben für immer Verschwunden.

Lass uns mal Aufbleiben. Obwohl ich todmüde bin, kann ich nicht mehr schlafen. Zu viel Aufregung auf einmal,“ sagte Paola.

Ja, doch was machen wir jetzt? Der Wellensittichzuchtverein und die Preisverleihung?“ fragten die Drei anderen. Paola winkte ab.

Verschieben wir es auf ein anderes mal. Wir würden sowieso nur noch als schnarchender Sittich durchgehen. Und das wollen wir doch wohl nicht. Oder?“

 

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